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Wildblume des Jahres 2026

Gewöhnlicher Natternkopf, Echium vulgare


Die zweijährige Staude ist ziemlich struppig und borstig. Alle grünen Teile sind mit Haaren besetzt. Die hohe Blütenzahl macht die Pflanze als Nahrungsquelle für Insekten sehr interessant. Insbesondere langrüsselige wie z.B. die Hummeln kommen hier auf Ihre Kosten. Der Natternkopf ist eine Sommerpflanze, die vom Juni bis Oktober blüht. Ihr Standort sind magere, spät gemähte Wiesen, Trockenrasen- und Ruderalstandorte. Wenn alles andere welkt und Durst leidet kommt der Natternkopf in der Regel noch gut weg: seine Pfahlwurzel kann eine Länge von 2,5 m erreichen. Dagegen schützt er sich durch seine Rosettenblätter vor Mahd und Abfraß durch die Weidetiere.  
Quizfrage zur menschlichen Nutzung: aus der Wurzel hat man Farbstoff gewonnen. Nein, nicht blau, sondern ROT.


 Vogel des Jahres 2026

Das Rebhuhn
Perdix perdix

Das letzte seiner Art? Sicher nicht und somit kein Grund für eine Verzweiflungstat. Bild Günter Herrmann.

 Perdix ist ein Steppenvogel Europas, der heute bei uns in Mitteleuropa im offenen Ackerland, Weiden und Heidegebieten lebt.
Die Hühnerart benötigt gegliederte Ackerlandschaften, in der auch Hecken, Büsche, Staudenfluren, Feld- und Wegraine, und ganzjährige Bracheflächen vorkommen.
Als Offenlandvogel mit diesen Habitatansprüchen ist es erklärt, warum das Rebhuhn in unserer ausgeräumten Agrarlandschaft stark rückläufig (82% von 1995 bis 2020) ist und in weiten Gebieten bereits ausgestorben ist.
Eine Besonderheit sind auch die Nahrungsansprüche der Küken im ersten Lebensmonat, der fast ausschließlich aus Kleintieren besteht. Typischerweise Ameisenlarven in einem Brachstreifen oder Feldrain. 
Die Agrarprogramme mir ganzjährigen Brachen und überjährigen Altgras steuern hier erfolgreich entgegen. Es dürfen ruhig noch mehr sein, damit dieser interessante Vogel bald wieder eine gute Überlebenschance hat. 


Schmetterling des Jahres 2026

Dunkler Wiesenknopf Ameisenbläuling, Glaucopsyche nausithous

Dieser Ameisenbläuling ist sehr eng an den Großen Wiesenknopf angepasst und fliegt entsprechend in Pfeifengraswiesen, Niedermoorbrachen und an Grabenrändern mit Beständen seiner Raupenfutterpflanze. Die Entwicklungsbiologie ist faszinierend: Kopulation, Eiablage und  Nahrungsaufnahme des adulten Falters findet an den Blütenknöpfen der Großen Wiesenknopfs und nur dort statt. Die Weibchen legen im Juli ihre Eier in die Blütenköpfe der Pflanze. Die geschlüpfte Raupe häutet sich dreimal in der Blüten und nimmt die gleiche rot-violette Farbe an. Ungefähr Anfang September bis Mitte September lässt sich die Raupe zu Boden fallen und hier kommt eine weitere enge Anpassung ins Spiel: Als Nebenwirt fungiert eine spezielle Knotenameise, die die Raupe aufgrund ihres "Ameisengeruches" annimmt und in ihr Nest trägt. Dort überwintert die Raupe, geschützt und ernährt sich von der Ameisenbrut. Forscher haben herausgefunden, dass die Raupe bis zu 600 Ameisenlarven frisst. Und es passiert ihr nichts! Man riecht ja nach Ameise!
Die Raupe überwintert im Ameisennest und verpuppt sich dort im Juni nahe der Geländeoberfläche. Schlüpft der Falter aus der Puppe hat er es nun eilig sich aus dem Ameisennest zu buddeln. Den typischen Geruch hat er verloren. In der Vegetation am Ameisennest entfaltet er dann seine Flügel und der Zyklus beginnt neu. 
Wer als Schmetterling eine so spezielle Anpassung an eine spezielle Pflanze und ein Ameisenart hat, ist sicher eher selten bei uns anzutreffen. Schon eine späte Mahd im Juli oder noch im August kann die ganze Population vernichten. Streuwiesen, die nicht vor Mitte September gemäht werden oder nur sporadisch gemähte Wiesenbrachen (Rand- Grabenstrukturen) sind der Lebensraum des Dunklen Wiesenknopf Ameisenbläulings. Und: wenn es einen Dunklen gibt, dann sicher auch einen Hellen. Der ist nun noch seltener.   



Dunkler Wiesenknopf Ameisenbläuling - Eiablage




"Die Normalität ist eine gepflastere Straße, man kann gut darauf gehen - doch es wachsen keine Blumen auf ihr."  Vincent van Gogh  


Man muss die Menschen wieder dazu erziehen, dass sie eine Blume schöner finden als Beton"  Konrad Lorenz  


2025 bei mir im Fokus bei Führungen und in der praktischen
Naturschutzarbeit, als Sinnbild für eine artenreiche Kulturlandschaft:
DIE WIESENFALTER




                                                      

                             HALLO, WIR SIND DIE WIESENFALTER   

 

Wir waren gemein, gewöhnlich, überall, wo es Wiesen gab sehr häufig anzutreffen.

Wir heißen Schornsteinfeger, Schachbrett, Kleines Wiesenvögelchen und Ochsenauge.

Heute gaukeln wir immer noch über die Grünlandflächen. Aber es sind nur noch besondere Wiesen, wo wir uns wohl fühlen und noch in großer Zahl fliegen.
Der Mensch ist eigentlich unser Freund, er nutzt und erhält die Wiese, unseren Lebensraum.  

Eigentlich ist beim Wiesenfalter alles ganz einfach, die Raupe frisst an diversen Gräsern und die fliegenden Insekten saugen Nektar an Wiesenblumen.
Die Entwicklungs-Biologie weist kein besondere Abhängigkeit oder Anpassung an seltene Futterpflanzen auf.
Die Flugzeit ist in der Regel von Juni bis Juli in einer Generation. Nur beim Kleinen Wiesenvögelchen gibt es 2-3 Generationen, die Falter sind dann noch im Sept./Okt.  anzutreffen.
Die Kleine Raupe überwintert auf der Wiese und frisst im Frühjahr weiter.
Im Juni ist 2-3 Wochen Puppen- ruhe. Die Stürzpuppe hängt im unteren Bereich eines Grasbüschels und im Juli schlüpft der Falter um den Kreislauf zu schließen.

In der Entwicklungsbiologie liegt dennoch heutzutage die Gefahr für die Larvenstadien:
Zu frühes, zu kurzes Mähen oder  Mulchen mit Liegenlassen der Streu gefährdet die Raupen (Fäulnis/Pilze).
Wegen der Puppenruhe im Juni können sich die Wiesenfalter nur in spät gemähten Wiesen         (Mahd frühest Anfang Juli) entwickeln. Und wo gibt es die noch?
Möglich ist auch eine erfolgreiche Entwicklung in 2-Schnitt-Wiesen. Dann sollte die fast erwachsene Raupe aber den ersten Schnitt, Ende Mai überleben.

Kleine Rückzugsgebiete mit Wiesenaltgras oder ungenutzte Brachen gibt es immer weniger.
Ackerränder, Wiesenwege, Wegsäume, Straßen-, Graben- und Uferböschungen fallen heute oft dem Ordnungssinn von uns Menschen zum Opfer, werden mehrmals im Jahr gemäht. Die Streu bleibt dabei in aller Regel noch liegen.


Was können wir alle tun ?

Genau das, was oben skizziert ist unterlassen. Etwas „Unordnung“ in der Landschaft tolerieren und überall, wo gemäht wird Altgrasinselchen stehen lassen.

Brachland = Wiesenfalterland


Noch einige Informationen zu einem der Nesselfalter, dem Landkärtchen,
Insekt des Jahres 2023:

Insekten und Blütenpflanzen haben sich vor ca. 120 Mio. Jahren in Koevolution angepasst. Dabei sind sehr enge Anpassungen aber auch weite Anpassungen entstanden. Letztere sind zum Beispiel die unten genannten "Wiesenfalter", deren Raupen an diversen Gräsern fressen und somit - zumindest in Bezug auf ihre Wirtspflanzen - unproblematisch sind. Bei den engen Anpassungen gibt es dagegen sehr kritische Paarungen wenn die einzige Raupenfutterpflanze sehr selten ist, z.B. der Lungenenzianbläuling oder der Goldene Scheckenfalter (Teufelsabbiss).  Beim Landkärtchen liegt auch eine sehr enge Anpassung vor, jedoch an die Große Brennnessel, die in BW die fast alleinige Raupenfutterpflanze ist. Nun Brennnesseln, als Stickstoffzeiger in unserer überdüngten Landschaft, sind nicht selten und daher sind die Startbedingungen für das Landkärtchen gut.
Die erwachsenen Landkärtchen fliegen  in zwei Generation, wobei ein interessanter Saisondimorphismus vorliegt. Die Falter der Frühjahrsgeneration sehen anders aus als die der Sommergeneration.
Das Landkärtchen gehört zu den Waldarten. Brennesselbestände entlang von Waldwegen, Gräben, unter Bäumen und in schattigen Täler sind sein Lebensraum. Voraussetzung ist jedoch immer, dass die Brennnesseln in luftfeuchter Umgebung wachsen. In schattigen Wiesen und Weiden mit Baumbewuchs könnte das Landkärtchen also auch leben, wenn die gesetzliche Förderung für die Bewirtschafter des Grünland es zu ließe. Nach EU-Recht werden Brennnesselhorste von der geförderten Fläche abgezogen, da sie kein eigentliches Futter sind. Die Landwirte sind also gezwungen die Brennnesseln in der Wiese zu bekämpfen. Im Sinne vom Landkärtchen und anderen Nesselfaltern sollten die Bewirtschafter eher eine Sonderförderung bekommen.